Und plötzlich war die Trainingshalle weg!

Mit  Gründung der Sektion Judo bei der BSG Aktivist Lauchhammer wurde im Jahr 1958 der Grundstein für eine fortan erfolgreiche Entwicklung des Judosports in Lauchhammer gelegt. Unter Leitung des Gründers und Trainers Willi Schimmang trainierten die interessierten JudosportlerInnen anfangs in der kleinen Sporthalle der Berufsschule des BKK Lauchhammer im ehemaligen Lehrinternat in der Ernst Schneller Straße in Lauchhammer West. Die Bedingungen zur damaligen Zeit waren nicht einfach. Schwere Roßhaarmattenteile mussten zum Training immer aufgebaut und nach Trainingsende auch wieder abgebaut werden. Wer pünktlich zum Training erschien bekam eine der ca. 8 vorhandenen Judojacken vom Trainer ausgeliehen. Eigene Judoanzüge waren noch Mangelware. Das Interesse am Judosport war sehr groß; in der Anfangsphase wurde auch viele Jiu-Jitsu Techniken gelehrt. Bald schon stiegen die Mitgliederzahlen und die Sruktur der Sektion Judo veränderte sich zusehens. Die ersten Sportler qualifizierten sich in Lehrgängen zum Übungsleiter und Kreiskampfrichter, die Teilnahme an Freundschaftskämpfen wurde organisiert und es fanden die ersten Gürtelprüfungen statt. Kontakte zu anderen Judovereinen im Bezirk Cottbus wurden geknüpft und vertieft. Im Kreis Senftenberg wurde der Kreisfachausschuß Judo gegründet.

Im Jahr 1969 erfolgte der Umzug in die Turnhalle im Sportplatz Lauchhammer West. Bis 1973 trainierten die Judosportler in dieser kleinen Halle unter recht beengten Bedingungen, welche sich zunehmens verschlechterten. Zu dieser Zeit beendete Willi Schimmang seine Trainertätigkeit und der Vorstand der Sektion Judo formierte sich neu. Die oberste Priorität bestand jetzt darin eine neue Trainingsstätte zu finden. Dem engagierten Handeln des Übungsleiters Peter Helbig war es schließlich zu verdanken, dass die Judosportler schon bald eine neue Trainingsstätte erhalten sollten; eine eigene Halle in der sie über 40 Jahre trainieren werden!
Mit großer Unterstützung der BSG Aktivist Lauchhammer und der Tagebauleitung des BKK Lauchhammer wurde neben der Sporthalle im Lehrinternat der Berufsschule der Rohbau einer Halle, welche zuvor im Tagebau als Lagerhalle genutzt wurde, aufgestellt. Etappenweise erfolgte der Um-und Ausbau der Halle. In vielen freiwilligen Arbeitsstunden legten die Judosportler Hand an um ihre neue Trainingsstätte nach ihren Vorstellungen und Bedürfnissen zu gestalten.

Anfang 1973 war es dann soweit. Die neue Halle, jetzt natürlich als „Judohalle“ bezeichnet, war bezugsfertig. Mit einer Mattenfläche von 112 m² waren optimale Bedingungen für die Ausübung des Judosports vorhanden und die unbeliebten schweren Matteteile mussten nicht mehr ständig auf-und abgebaut werden. Die gesamte Hallenfläche war jetzt mit Matten ausgelegt und bot den Aktiven sehr gute Trainingsbedingungen.
Die neue Trainingsstätte motivierte Trainer, Übungsleiter und Aktive gleichermaßen und auch das Interesse am Judosport stieg bei der Bevölkerung.
Bis zu 140 Mitglieder zählte die Sektion Judo in der 70er Jahren. Im Jahr 1974 erfolgte die Berufung zum Trainingszentrum Judo mit dem Ziel Judo als Nachwuchsleistungssport im Kinder-und Jugendbereich zu etablieren. Die Judoausbildung wurde in den Lehrplan Sport der Berufsausbildung der Abi-Klassen aufgenommen. Vietnamesische Lehrlinge trainierten hier ebenso wie Gastsportler aus Madagaskar, Ungarn, Polen und Bulgarien. Die Sportler nutzten die Judohalle für Trainingslager, Weiterbildungslehrgänge u.v.m.
Die deutsche Einheit führte dazu, dass sich auch die Judosportler neu formieren mussten. Leider hatte die Wende ihren Tribut gefordert und viele bis dahin gut ausgebildete  Judoka, Übungsleiter und Aktive hatten die Sektion Judo verlassen und waren zum Teil in die alten Bundesländer abgewandert.
Der Erhalt des Judosports in Lauchhammer hatte jetzt Priorität. Eine Satzung wurde erarbeitet und 1991 gründeten die Judosportler ihren neuen Verein unter dem Namen Budo-Verein Lauchhammer e.V. Die Judohalle wurde dem Landkreis OSL zugeordnet und verwaltet.
Kurz nach Gründung des neuen Vereins erfolgte eine Modernisierung der Inneneinrichtung und Sportgeräte. Mit Hilfe der Stadtverwaltung Lauchhammer und weiteren Sponsoren erhielten die Judosportler ihre ersten Tatamis. Die neuen Matten waren schon lange ein Traum.
Endlich konnten die alten wuchtigen und beuligen Roßhaarmatten entsorgt werden. Eine kleine Kraftecke wurde eingerichtet und mit einer kleinen Feier bedankten sich die Judosportler bei allen Helfern und Sponsoren herzlich.
In der Folgezeit erfuhr der Judosport wieder mehr Zuspruch und die Mitgliederzahlen stabilisierten sich. Judosportler aus Lauchhammer erkämpften sich Medaillen bei nationalen und internationalen Wettkämpfen. Trainer des Budo-Vereins qualifizierten sich ständig weiter.
Trainer-Prüfer-und Kampfrichterlizenzen wurden erworben und Nachwuchssportler wurden für Trainertätigkeit sensibilisiert.

Mit Schreiben vom 28.4.2017 kündigte der Landkreis OSL dem Budo-Verein Lauchhammer zum 30.6.2017 die Nutzungsvereinbarung
für Judo-und Sporthalle im OSZ Lauchhammer West – ohne Vorankündigung und das nach 44 Jahren !! Über eine Alternative gab es keine Aussage.

Die vielen begeisterten Judosportler haben ehrenamtlich über vier Jahrzehnte insbesondere Kindern-Jugendlichen durch ihren aufopferungsvollen und uneigennützigen Einsatz eine sinnvolle sportliche Betätigung ermöglicht. Für ältere Judoka war die Judohalle ein wichtiger Teil ihres sportlichen Lebens.
Glücklicherweise hat sich der Vorstand des Budo-Verein Lauchhammer e.V. schon seit einigen Jahren mit einer Alternativlösung beschäftigt.
Seit 2008 verhandelten die Verantwortlichen des Vorstandes mit der Stadtverwaltung Lauchhammer über eine Nutzung der ehemaligen Boxerhalle im Waldstadion Lauchhammer Mitte. Nach schwierigen und zähen Verhandlungen wurde dem Budo-Verein Lauchhammer e.V. die Boxerhalle als neue Trainingsstätte zur Nutzung überlassen. Mit ca. 250m² bietet die Halle den Judosportlern optimale Bedingungen für Training und kleinere Wettkämpfe. Zur Zeit erfolgen noch umfangreiche Instandsetzungs-und Umbauarbeiten um die Halle möglichst bald für das Judotraining bereitstellen zu können. Bleibt zu hoffen, dass die Judoka  die finanziellen Belastungen meistern.